Die sechs Harmonien

Die sechs Harmonien:

Die Lehre der sechs Harmonien ist ein absolutes Kernstück der Shaolin Kampfkunst. Sie zu verinnerlichen heißt die innere und äußere Ordnung des Shaolin Kung Fu zu verstehen. Wer diese sechs Aspekte vereint, erlangt wahres Kung.

3 äußere Harmonien: Hand und Fuß; Knie und Ellenbogen; Schulter und Hüfte;

Diese stehen immer in Bezug zueinander. In den meisten Positionen sollte die Hand über dem Fuß, der Ellbogen über dem Knie und die Schulter über der Hüfte sein. Damit ist dein Körper immer in Harmonie. Dein Gewicht ist korrekt auf den Beinen verteilt, dein Oberkörper aufgerichtet und die Arme in der idealen Position für Verteidigung und Angriff. Die Architektur deiner physischen Erscheinung befindet sich in perfekter Balance. Auch im Fluss der Bewegung hängen diese Elemente zusammen. Bewegt sich der Fuß, dann auch die Hand, Ellbogen und Knie. Hüfte und Schulter.

Ein zweites Prinzip der äußeren Harmonie ist, dass sich der Schlag von außen nach innen bewegt. Wir beginnen die Bewegung bei Hand und Fuß, dann kommen Ellbogen und Knie, dann Schulter und Hüfte. Während die Kraft vom unteren Dantian in den Körper fließt, bewegt sich der Körper von der Peripherie nach innen, diese gegenläufige Kraftwelle erzeugt die Vereinigung von innerer und äußerer Kraft. Die drei äußeren Harmonien helfen dir zu erkennen, ob deine Position korrekt ist oder nicht.

3 innere Harmonien: Herz und Geist; Geist und Qi; Qi und Kraft

Herz und Geist beschreibt die Einheit deines spirituellen Zentrums, welches zwar auf der physischen Ebene mit dem Herzzentrum (dem mittleren Dantian) zu tun hat, aber nicht dein physisches Herz ist. Wenn Herz und Geist verbunden sind, wird deine Form klar und frei von Zweifel ausgeführt. Im Kampf bewegst du dich ohne Makel.

Geist und Qi beschreibt die Einheit der Bewegung deines Geistes mit der Bewegung von Qi. Dort, wo sich dein Geist hin bewegt, bewegt sich auch die subtile Kraft des Qi hin. Ist der Geist aufgewühlt und chaotisch, so wird auch die Form chaotisch sein, weil das Qi nicht konzentriert ist. Bewegt der Geist sich jedoch konzentriert und harmonisch, wird sich auch dein Qi konzentriert und harmonisch bewegen.

Die gesammelte Aufmerksamkeit lenkt die innere Dynamik des Qi. Deshalb ist ein gesammelter Geist beim Kung Fu so wichtig. Nur ein gesammelter Geist kann die Kraft bündeln und die Schläge präzise und kraftvoll setzen.

Qi und Kraft beschreibt das Auftreten wirklicher physischer Kraft. Dort wo dein Qi gesammelt hinfließt, entsteht physische Kraft. Durch das Üben der Formen und Basisbewegungen wird Qi im Körper aufgebaut, dieses sammelt sich in den Muskeln und Knochen und Sehnen, So baust du durch das Shaolin Kung Fu Kraft auf. Auch, wenn du einen Schlag ausführst und Herz, Geist und Qi vereinigst, hast du am Ende deiner Bewegung die optimale, sehr reale Kraft aktualisiert.

Dieses Prinzip hebt Shaolin auch von den rein inneren Kampfstilen ab, welche vor allem den Geist und das Qi schulen. Für Shaolin ist reale körperliche Kraft wichtig. Sie muss aber aus der Verbindung mit Qi entstehen. Das ist das Besondere daran. Der Kraftaufbau wird somit harmonisch erreicht.

Die äußeren und inneren Harmonien des Shaolin sind essentiell, um deine Praxis tief und gehaltvoll zu machen. So wird aus der bloßen Form eine kontemplative Übung. Sie beinhalten das Geheimnis der Kampfkunst und machen den Weg zu einer tiefgründigen Angelegenheit. Es ist eben nicht Kampfsport oder Selbstverteidigung alleine, sondern eine tiefe Schulung auf allen Ebenen. Körper, Energie und Geist müssen als Einheit verstanden und perfektioniert werden.

 

Quelle:

Shaolin Kung Fu - Manuel Scherzer



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